Ein Gebäuderessourcenpass dokumentiert wesentliche Informationen zu den in einem Bauwerk enthaltenen Materialien und Komponenten. Er schafft eine Informationsgrundlage für Lebenszyklusbetrachtung, Treibhausgasbewertung und Kreislauffähigkeit. BIM kann hierfür eine zentrale Datenquelle bilden, weil Bauteile, Mengen, Einbauorte und Eigenschaften strukturiert miteinander verknüpft werden können. Der Gebäuderessourcenpass der DGNB ist als praxisorientiertes Dokumentationsformat für unterschiedliche Lebenszyklusphasen angelegt und soll Transparenz über Materialien und Zirkularität schaffen.
BIM-Daten für zirkuläre Gebäudeinformationen strukturieren
Für einen belastbaren Ressourcenpass reichen allgemeine Materialbezeichnungen nicht aus. Benötigt werden unter anderem Materialart, Menge oder Masse, Einbauort, Hersteller, Produktbezeichnung, Umweltproduktdeklaration, Recyclinganteil und erwartete Nutzungsdauer. Hinzu kommen Informationen zur Verbindung mit anderen Bauteilen, Trennbarkeit, Schadstoffrelevanz und Wiederverwendungsmöglichkeit. Das BIM-Modell muss diese Daten nicht vollständig selbst speichern. Es kann jedoch eindeutige Objektbezüge und Verknüpfungen zu Produktdaten, Nachweisen und externen Materialdatenbanken bereitstellen.
Datenkategorie
Typische Information
Verwendungszweck
Material
Materialart und Zusammensetzung
Bestands- und Schadstoffbewertung
Menge
Volumen, Fläche, Stückzahl oder Masse
Ressourcen- und Treibhausgasbilanz
Einbauort
Gebäude, Geschoss, Raum und Bauteil
Auffindbarkeit und Rückbauplanung
Herkunft
Hersteller, Produkt und Liefernachweis
Nachvollziehbarkeit und Qualität
Umweltwirkung
EPD- und Emissionsdaten
Ökobilanz und ESG-Berichterstattung
Kreislauffähigkeit
Recyclinganteil und Verwertungsweg
Zirkularitätsbewertung
Trennbarkeit
Verbindung und Demontierbarkeit
Wiederverwendung und selektiver Rückbau
Nutzungsdauer
Einbaujahr und erwartete Lebensdauer
Erneuerungs- und Investitionsplanung
Datenqualität
Bestätigt, geschätzt oder ungeprüft
Belastbarkeit der Auswertungen
Herkunft und Datenqualität
Materialdaten müssen auf nachvollziehbaren Quellen beruhen. Herstellerangaben, Umweltproduktdeklarationen, Lieferscheine und Bestandsfeststellungen sind mit dem jeweiligen Bauteil zu verbinden. Planungsannahmen dürfen nicht unbemerkt als ausgeführter Bestand weitergeführt werden. Nach Produktwechseln oder Nachträgen ist der Ressourcenpass entsprechend zu aktualisieren. Für unsichere oder nur rechnerisch abgeleitete Werte können Qualitäts- beziehungsweise Vertrauensstufen verwendet werden. Nur so bleibt erkennbar, welche Informationen bestätigt, geschätzt oder noch zu verifizieren sind.
Nutzung während des Betriebs
Der Ressourcenpass ist nicht nur für Planung und Rückbau relevant. Bei Instandsetzung und Umbau unterstützt er die Auswahl kompatibler Materialien, die Bewertung von Schadstoffen und die Entscheidung zwischen Erhalt, Wiederverwendung und Ersatz. Portfolioverantwortliche können Materialbestände, gebundene Treibhausgasemissionen und zukünftige Rückbaupotenziale auswerten. Gebäuderessourcenpässe können außerdem als Datengrundlage für Zirkularitätsbewertungen dienen. Voraussetzung ist, dass Änderungen im Betrieb systematisch zurückgeführt und nicht lediglich in einzelnen Projektunterlagen dokumentiert werden.
Integration in den BIM-Prozess
Die benötigten Ressourceninformationen sind bereits in AIA, Informationsbedarfstiefe und Modellierungsrichtlinie festzulegen. Geeignete Anforderungen können über IDS maschinenlesbar geprüft werden. Der BAP regelt Datenquellen, Verantwortlichkeiten, Lieferzeitpunkte und Qualitätskontrollen. Bei der Übergabe werden die bestätigten As-built-Daten in Ressourcenpass und Asset Information Model übernommen. Entscheidend ist eine gemeinsame Identifikationsstruktur, damit Materialinformationen auch nach Umbauten eindeutig mit den betreffenden Bauteilen verbunden bleiben. BIM wird dadurch zur fortführbaren Datenbasis und nicht nur zum einmaligen Erstellungswerkzeug.