Dauerhafte Informationsverantwortung
Mit der Gebäudeübergabe endet das BIM-Informationsmanagement nicht. Im Betrieb ändern sich Anlagen, Räume, Dokumente und organisatorische Zuordnungen fortlaufend. Ohne geregelte Governance verliert das Asset Information Model schnell seine Übereinstimmung mit dem realen Bestand. Die ISO 19650-3 stellt deshalb einen Informationsmanagementprozess für die Betriebsphase bereit. Eigentümer und Betreiber müssen festlegen, welche Informationen geschäftskritisch sind, wer sie verantwortet und unter welchen Voraussetzungen Änderungen veröffentlicht werden dürfen.
Anlagen, Funktionen und Betriebsdaten BIM-basiert übergeben
Klare Rollenverteilung
Die Eigentümerorganisation trägt die Verantwortung für Ziele, Informationsanforderungen und Freigaberegeln. Ein Informationsverantwortlicher koordiniert Datenmodell, Standards und Qualität. Fachliche Data Stewards betreuen beispielsweise Raum-, TGA-, Energie- oder Sicherheitsinformationen. Externe Betreiber und Wartungsunternehmen liefern Änderungen und Nachweise zurück, dürfen aber nicht automatisch Stammdaten freigeben. IT und Informationssicherheit verantworten technische Plattformen, Schnittstellen, Berechtigungen und Sicherungen. Die Rollen müssen in Verträgen, Betriebsprozessen und CAFM-Berechtigungen übereinstimmend abgebildet werden.
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| Eigentümer beziehungsweise Auftraggeber | Informationsziele, Anforderungen und Freigaberegeln |
| FM-Leitung | Nutzung der Informationen in den Betriebsprozessen |
| Informationsverantwortlicher | Standards, Datenmodell, Koordination und Qualität |
| Fachlicher Data Steward | Pflege eines abgegrenzten Informationsbereichs |
| Objekt- und Anlagenverantwortliche | Meldung und Prüfung realer Bestandsänderungen |
| Dienstleister | Lieferung vereinbarter Daten und Nachweise |
| IT | Plattformen, Schnittstellen, Verfügbarkeit und Sicherung |
| Informationssicherheit | Sensitivität, Berechtigungen und Sicherheitsmaßnahmen |
| Revision oder Qualitätsmanagement | Kontrolle von Verfahren und Nachvollziehbarkeit |
Kontrolliertes Änderungsverfahren
Jede relevante Bestandsänderung benötigt einen nachvollziehbaren Prozess. Ein Ereignis wie Anlagenaustausch, Umbau oder Stilllegung löst eine Datenänderung aus. Diese wird erfasst, fachlich geprüft, technisch validiert und anschließend freigegeben. Erst danach wird der neue Informationsstand veröffentlicht. Bei zeitkritischen Maßnahmen können vorläufige Informationen erforderlich sein; sie müssen eindeutig gekennzeichnet und später vervollständigt werden. Änderungsprotokolle, Vorgängerversionen und Freigaben bleiben erhalten, damit Entscheidungen und historische Zustände nachgewiesen werden können.
Schutz sensibler Informationen
BIM- und Betriebsmodelle können sicherheitsrelevante Informationen über Zutritt, technische Versorgung, Produktionsprozesse oder Schutzsysteme enthalten. Die ISO 19650-5 beschreibt einen sicherheitsorientierten Umgang mit solchen Informationen. Erforderlich sind unter anderem Sensitivitätsbewertung, rollenbezogene Zugriffe, kontrollierte Exporte, Schutz externer Zugänge und geregelte Reaktionen auf Sicherheitsvorfälle. Nicht jeder Nutzer benötigt das vollständige Modell. Der Informationszugang ist so weit zu ermöglichen, wie es für die jeweilige Aufgabe erforderlich ist, ohne unnötige Risiken zu erzeugen.
Governance messbar machen
Die Wirksamkeit der Daten-Governance sollte über Kennzahlen verfolgt werden. Geeignet sind der Anteil vollständig gepflegter Pflichtattribute, die Zeit zwischen realer Änderung und Datenaktualisierung, offene Validierungsfehler, veraltete Dokumente und nicht zugeordnete Assets. Hinzu kommen fehlgeschlagene Schnittstellenläufe und unberechtigte Zugriffsversuche. Regelmäßige Datenreviews verbinden diese Kennzahlen mit konkreten Korrekturmaßnahmen. Dadurch wird Informationsqualität zu einer steuerbaren Betriebsleistung und nicht zu einer nur sporadisch bearbeiteten Zusatzaufgabe.