Prozess vor Plattform
Eine Common Data Environment, kurz CDE, ist nicht lediglich ein Cloud-Speicher oder digitaler Projektordner. Sie verbindet einen geregelten Informationsprozess mit einer oder mehreren technischen Lösungen. Die CDE steuert, wie Modelle, Pläne, Dokumente und Datensätze erstellt, geprüft, geteilt, veröffentlicht und archiviert werden. Die ISO-19650-Systematik ordnet der gemeinsamen Datenumgebung deshalb eine zentrale Funktion im Informationsmanagement zu. Eine leistungsfähige Software ersetzt jedoch keine klaren Rollen, Statusregeln und Freigabeverfahren.
BIM-Informationen durch kontrollierte Datenräume transparent verwalten
Gesteuerte Informationszustände
Informationscontainer durchlaufen definierte Zustände. Im Arbeitsbereich entstehen noch nicht abgestimmte Informationen. Nach interner Prüfung können sie zur fachübergreifenden Koordination geteilt werden. Erst nach festgelegter Prüfung und Autorisierung werden Informationen veröffentlicht und dürfen als verbindliche Grundlage für weitere Entscheidungen oder Leistungen dienen. Überholte Fassungen werden nicht gelöscht, sondern nachvollziehbar archiviert. Diese Trennung verhindert, dass unfertige Modelle versehentlich für Ausschreibung, Ausführung, Abnahme oder Betrieb verwendet werden.
Metadaten und Nachvollziehbarkeit
Jeder Informationscontainer benötigt eine eindeutige Kennzeichnung. Dazu gehören Ersteller, Fachbereich, Gebäude- oder Anlagenbezug, Inhaltstyp, Version, Status und Freigabezweck. Die CDE muss Änderungen, Prüfschritte und Zugriffe nachvollziehbar protokollieren. Zugriffsrechte sind rollenbezogen zu vergeben, sodass beispielsweise externe Planer nicht automatisch sämtliche sicherheitsrelevanten Gebäudeinformationen einsehen oder verändern können. Ein wirksames Metadatenkonzept ist wichtiger als eine tief verschachtelte Ordnerstruktur, weil Informationen dadurch systematisch gesucht, gefiltert und automatisiert verarbeitet werden können.
Übergang in den Betrieb
Vor Projektende ist festzulegen, ob die Projekt-CDE weitergeführt oder ob freigegebene Informationen in betriebliche Systeme übertragen werden. Dabei müssen Versionen, Referenzen, Dokumentenverknüpfungen und Freigaben erhalten bleiben. Für den Gebäudebetrieb kommen insbesondere CAFM, DMS, BIM-Viewer und das Asset Information Model als Zielsysteme infrage. Die ISO 19650-3 behandelt das Informationsmanagement ausdrücklich auch für die Betriebsphase. Deshalb sollten betriebliche Rollen, Änderungsprozesse und Aufbewahrungsregeln bereits vor der Übergabe eingerichtet sein.
Auswahl und Exit-Strategie
Bei der Auswahl einer CDE sind nicht nur Bedienkomfort und Lizenzpreis zu bewerten. Entscheidend sind offene Schnittstellen, vollständige Exportmöglichkeiten, Rechteverwaltung, Versionierung, Prüfworkflows, API-Zugänge, Langzeitarchivierung und Informationssicherheit. Der Auftraggeber benötigt eine Exit-Strategie für Anbieterwechsel, Projektende oder Insolvenz des Plattformbetreibers. Modelle, Dokumente, Metadaten, Aufgaben und Protokolle müssen in nutzbaren Formaten exportierbar sein. Eine CDE darf nicht dazu führen, dass der Auftraggeber den Zugriff auf seine eigenen Projekt- und Betriebsinformationen verliert.
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| Arbeitsstand | Erstellung und interne Bearbeitung | Nur innerhalb des verantwortlichen Teams |
| Geteilt | Fachübergreifende Abstimmung und Koordination | Als Referenz, noch nicht als endgültige Leistung |
| Veröffentlicht | Geprüfte und freigegebene Information | Ausschreibung, Ausführung, Abnahme oder Betrieb |
| Archiviert | Nachweis früherer und überholter Fassungen | Rückverfolgung, Audit und Streitklärung |
| Abgelehnt | Information erfüllt Anforderungen nicht | Überarbeitung und erneute Einreichung |
| Betriebsbestand | Übernommene und fortzuführende Information | CAFM, DMS, AIM und betriebliche Prozesse |