Mehr als ein Bestandsmodell
Das Asset Information Model, kurz AIM, ist die für den Betrieb benötigte strukturierte Informationsbasis eines Gebäudes oder Portfolios. Es ist nicht zwingend eine einzelne BIM-Datei und auch nicht mit einem geometrischen As-built-Modell gleichzusetzen. Ein AIM kann Modelle, Datensätze, Dokumente und Verknüpfungen aus mehreren Systemen umfassen. Entscheidend ist, dass die Informationen zuverlässig, eindeutig zugeordnet und für betriebliche Entscheidungen verfügbar sind. Die ISO 19650-3 behandelt das Informationsmanagement ausdrücklich während der Betriebsphase.
Asset Information Model als digitale Betriebsgrundlage
Zweckorientierter Informationsumfang
Der Inhalt des AIM ergibt sich aus den betrieblichen Informationsanforderungen. Benötigt werden nur Informationen, die einen festgelegten Zweck erfüllen, etwa Wartungsplanung, Störungsbearbeitung, Prüfmanagement, Flächensteuerung, Energiecontrolling oder Investitionsplanung. Eine ungefilterte Übernahme sämtlicher Planungsdaten führt zu unnötiger Komplexität. Asset Information Requirements bestimmen deshalb, welche Informationen bei bestimmten Ereignissen benötigt, erzeugt oder aktualisiert werden. Die gelieferten Informationen bauen das AIM schrittweise auf und halten es aktuell.
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| Gebäude und Räume | Nutzung, Fläche, Lage und Kostenstelle | Flächen- und Reinigungsmanagement |
| Technische Assets | Asset-ID, Typ, Hersteller und Einbaudatum | Wartung und Störungsbearbeitung |
| Technische Systeme | Anlagenhierarchie und Abhängigkeiten | Fehleranalyse und Abschaltplanung |
| Dokumente | Anleitungen, Protokolle und Nachweise | Betreiberpflichten und Instandhaltung |
| Termine | Wartungs-, Prüf- und Garantiefristen | Auftrags- und Fristensteuerung |
| Zustand | Bewertung, Restlebensdauer und Mängel | Investitions- und Erneuerungsplanung |
| Verbrauchsdaten | Energie, Medien und Betriebsstunden | Optimierung und ESG-Berichterstattung |
| Änderungen | Austausch, Umbau und Stilllegung | Revisionssichere Bestandsfortführung |
Verbund betrieblicher Systeme
In der Praxis verteilt sich das AIM häufig auf BIM-Viewer, CAFM oder IWMS, Dokumentenmanagement, GIS, Gebäudeautomation und weitere Fachsysteme. Eindeutige Gebäude-, Raum-, Anlagen- und Dokumentenkennzeichnungen verbinden diese Quellen. Das BIM-Modell liefert räumlichen und technischen Kontext, während das CAFM-System Aufträge, Termine und Stammdaten verwaltet. Das DMS hält freigegebene Nachweisdokumente vor. Entscheidend ist nicht die Speicherung in einem einzigen System, sondern die kontrollierte Zuordnung und widerspruchsfreie Nutzung der Informationen.
Fortschreibung durch Betriebsereignisse
Austausch, Umbau, Wartung, Prüfung oder Stilllegung verändern den tatsächlichen Bestand. Für jedes relevante Ereignis muss feststehen, wer welche Daten und Dokumente aktualisiert, prüft und freigibt. Dienstleister dürfen nicht lediglich einen Arbeitsauftrag schließen, ohne die dadurch veränderten Asset-Informationen zurückzumelden. Auch temporäre Zustände, Ersatzanlagen und außer Betrieb genommene Komponenten sind geregelt zu behandeln. Ein AIM ohne verbindlichen Änderungsprozess verliert schnell seine Verlässlichkeit und damit seinen betrieblichen Nutzen.
Grundlage für Entscheidungen
Ein gepflegtes AIM verbessert die Vorbereitung von Wartungen, Umbauten, Ausschreibungen und Ersatzinvestitionen. Es unterstützt die Nachweisführung zur Betreiberverantwortung und ermöglicht portfolioübergreifende Auswertungen. Maßgeblich ist jedoch nicht die Datenmenge, sondern die Verlässlichkeit der geschäftskritischen Informationen. Vollständigkeit, Aktualität, Herkunft und Freigabestatus sollten deshalb messbar sein. Das AIM wird damit zu einer kontrollierten Unternehmensressource und nicht zu einem lediglich visualisierten Archiv des abgeschlossenen Bauprojekts.